Forum Design
Das Verhältnis von Form und Materie steht im Mittelpunkt des neuartigen Schmuckdesigns, das durch den Einsatz von modernen technischen Verfahren wie CAD und Rapid-Prototyping möglich wird. Die Ausstellung „Entelechie”, die derzeit durch Korea und Japan wandert, zeigt beeindruckende Beispiele.
„Der Konflikt zwischen dem Technischen und dem Künstlerischen ist nicht unbedingt ein neues Phänomen” – sagt Prof. Dr. Anke Bitter, Professorin für Ästhetik, Semiotik und Kunstanalyse in ihrem Vorwort zum Ausstellungskatalog. Tatsächlich diskutieren Kunsthandwerker und Gestalter seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts über das künstlerisch Sinnvolle im Hinblick auf die neuen Möglichkeiten in der Bearbeitung des Materials. Diese Diskussion hat durch Techniken wie das Computer Aided Design (CAD)* und das Rapid Prototyping** eine neue Dimension erlangt. Prof. Bitter sieht darin eine Art „Gretchenfrage” im Bereich der Schmuckgestaltung. Wenn die Möglichkeiten der neuen Technik nicht auf eine effektive Nachahmung bisheriger Formgebung beschränkt bleiben, öffnen sich neue Wege. Und diese haben die jungen Schmuckkünstler begangen, deren Werke die Ausstellung zeigt. Sie setzten sich in tiefer gehender Art und Weise mit den neuen Techniken auseinander, richteten den Blick nicht auf wirtschaftliche Effektivität der Verfahren, sondern ausschließlich auf neue Möglichkeiten im Dialog von Form und Material. Kein Bruch mit den Traditionen, denn Neues schließt an Bewährtes an und steht mit diesem in einem Wechselverhältnis. Ziel der Schmuckkünstler ist es vielmehr, „Tradition neu zu interpretieren”, das
Technische und das Künstlerische in eine Synthese zu überführen. Womit auch der Titel der Ausstellung verständlicher wird. „Entelechie” nannte der griechische Philosoph Aristoteles eine Entwicklung, die das Ziel schon in sich selbst trägt.
Auf die Schmuckstücke übertragen bedeutet das eine Formgebung, die von Anfang an im Material angelegt ist und sich als Vollendung versteht. Damit soll auch einer Trennung von Form und Material entgegengewirkt werden. Die Ausstellung „Entelechie” zeigt die Arbeiten von neun Schmuckdesignern aus Deutschland, Griechenland, Korea und Japan, allesamt Dozenten, Designer oder Hochschulstudenten aus Pforzheim. Alle Stücke entstanden im Rapid-Prototyping-Verfahren und eröffnen damit eine neue Ära in Sachen Schmuckdesign. Eines der neuartigen Schmuckobjekte, eine luftige Kette aus weißen Polyamid, die im letzten Jahr von Niessing als Neuheit präsentiert wurde, erhielt bereits 2008 den begehrten Red Rot des Design Zentrums Nordrhein Westfalen. Nach Ausstellungen 2008 in Korea (das einen Wettbewerb zum Thema initiiert und unterstützt hatte) und Japan werden die Arbeiten der deutschen Gruppe im April 2009 auf der Messe Jewel Fair Korea zu sehen sein und nach weiteren Stationen 2010 im Schmuckmuseum Pforzheim präsentiert (Termin steht noch nicht fest).
* CAD. Der Begriff Rechner unterstützte Konstruktion oder englisch Computer Aided Design (CAD) bezeichnet das Erstellen von Konstruktionsunterlagen für mechanische, elektrische oder elektronische Erzeugnisse mit Hilfe von spezieller Software, zum Beispiel im Anlagenbau, Maschinenbau, Autobau, Flugzeugbau, Schiffbau, in der Zahnmedizin (CEREC) und auch in der Architektur, im Bauwesen sowie im Modedesign.
** Rapid Prototyping (deutsch: schneller Prototypenbau) ist ein Verfahren zur schnellen Herstellung von Musterbauteilen ausgehend von Konstruktionsdaten. Rapid-Prototyping-Verfahren sind somit Fertigungsverfahren, die das Ziel haben, vorhandene CAD-Daten möglichst ohne manuelle Umwege oder Formen direkt und schnell in Werkstücke
umzusetzen. Quelle: Wikipedia


